Abgabealter von Kitten
Ein Bericht, zitiert aus der Zeitschrift "Katzen extra"
Können Sie verstehen wieso man über dieses Thema schreiben kann, bis einem die Dinger abfallen? Oder sich den Mund fusselig redet, bis die Zähne bröseln? Pausenlos. Jahrzehntelang ...ohne Erfolg! Denn trotzdem nimmt die Zahl der Interessenten von Kittenkäufer nicht ab, die bis über die Hutschnur voll mit Fragen sind, weil sie mit dem winzigen vierbeinigen Neuzugang (wohlgemerkt: vom Züchter!) nicht zurande kommen - der ständig friert (oder warum zittert er dauernd?) und vor dem Klo genauso ratlos grübelt wie vor dem Futternapf mit dem feinen Häppchen aus der Dose. Wirft man ihm ein Bällchen, riskiert er maximal zwei unschlüssige Hopserchen ... und wenn er nicht schläft, was er eigentlich so gut wie unaufhörlich tut (dann muss er doch krank sein, nicht wahr?), sitzt er verloren an dem riesigen Wohnzimmerplüsch wie ein aus dem Nest gefallenes Küken. Und genau DAS ist er!
Mit dem einzigen, allerdings gravierenden Unterschied, dass das kleine Miezlein nicht gefallen ist, sondern rüde rausgeworfen wurde!
NUR: einem Zweibeiner allein = folglich dem Züchter als Ausgangsperson, lässt sich die Schuld nicht aufbürden (wenngleich er den deutlich größeren Anteil trägt), denn ohne den kaufwilligen Menschem am "anderen Ende" könnte er sich seine glückhafte Gebarung höchstens als Leitspruch auf einen Sofaüberwurf sticken, sofern er nicht gerade für Tierhandlungen "züchtet", sprich: produziert und, aber hallo!, kaltschnäuzig gewinnträchtigen Handel mit dem Mitleid treibt. Andererseits steht natürlich wieder jeder Käufer auf verlorenem Posten, wenn der Züchter auf einem vernünftigen Mindestabgabealter beharrt. Weshalb hier für beide Teile zum x-ten Male festgehalten sei:
Kaufe oder verkaufe keine Kätzchen unter zwölf bzw. sechzehn Wochen!
Wobei zwölf bis sechzehn Wochen die absolute Untergrenze sind. Für Normalentwickler bis Frühreife könnten unter Umständen zwölf Wochen reichen, während die "Spätlinge" gut sechzehn Wochen brauchen, bis die "Früchtchen" reifemäßig auf dem gleichen Level sind - je nach Rasse eben. Beispiel: "Bodenständige" Rassen wie Briten entwicklen sich "normal" (= soll heißen: innerhalb eines zeitmäßigen Mittelwertes - bitte missinterpretieren Sie die Diktion nicht), Schlankrassen wie Siamesen sind eher "früh" dran und "Kraftprotze" wie Maine Coon brauchen etwas länger. Schaden kann es keiner Katze, wenn sie ein paar Wochen länger im Schoße ihrer Familie bleiben kann, ganz im Gegenteil, aber ein zu Früh (= unter zwölf Wochen) ist ausnahmslos mit Nachteilen verbunden. Für das Kätzchen und seine Zweibeiner!
Denn der Wechsel ins neue Heim ist zudem IMMER mit Stress verbunden!", den NUR eine rundum gesunde, körperlich wie geistig bestens konditionierte Katze unbeschadet verkraften kann!
Man steht der Problematik durchaus nicht mit Unverständnis gegenüber, denn jeder Züchter ist froh, wenn ein wirklich lieber Mensch sein Heim beehrt und Herz samt Bares nicht zur Konkurrenz trägt. Aber wenn der begehrliche Blick dann nicht nur wohlgefällig auf einem gerade mal acht Wochehn kleinen Winzling ruht, sondern mit der sinnigen Spitzenmeldung "er soll sich ja an uns gewöhnen" hartnäckig sofortiges Einpacken angesagt wird .... dann ist Schluss mit lustig", selbst wenn das vordem so herzerwärmende Lächeln jede Zahnpastareklame vor Neid in bodenlose Kariesschwärze versinken lässt.

Immerhin gibt es rettende Engel, die dereinst ihre erste Samtpfote aus der Tiefe einer Mülltonne (oder woher auch immer) ans Tageslicht und mit Hingabe ins Leben zurückgeholt haben ...und dieses Glückskind sei deshalb so unsagbar anhänglich gewesen, weshalb es neuerlich ein Beinahe-Embryo sein müsse....

Hier..und das gilt für Züchter....., ist eben Aufklärungsarbeit notwendig" denn sie müssen es wirklich besser wissen.
Wir Züchter sind verantwortlich für lebende Wesen, die Zuneigung, Freude, Glück, Angst und Schmerz empfinden können, genauso wie wir, die sogenannte Krone der Schöpfung. Diese heiteren kleinen Lebewesen sind auf uns angewiesen und das verleiht unserem Steckenpferd ein bitterernstes Antlitz. Denn WIR tragen die alleinige Verantwortung für seelische wie körperliche Makel. WIR entscheiden über Leben und Tod. WIR spielen damit "lieber Gott" - und damit verhält es sich ähnlich wie mit altem Adel: Entweder man hat die dazugehörige Herzensbildung und ist bereit, dieser Verantwortung auch gerecht zu werden... oder man sollte besser Gartenzwerge sammeln ... Also wird kein verantwortungsvoller Züchter seine Katzenbabys unter 12/16 Wochen aus dem Haus geben!

Der soziale Hintergrund, das allernächste Umfeld = die Familie, bestimmt selbstverständlich, wie gut oder schlecht eine kleine Katze mit dem Leben und der - momentanen wie künftigen - Gesellschaft zurechtkommt!
Und um gutes kätzisches Benimm zu lernen, braucht es natürlich Zeit, acht Wochen (oder gar weniger) im Schnelldurchgang können da nicht reichen! Ist das nicht eigentlich logisch? Wozu bei unseren Miezen nicht nur der menschliche Oberlehrer gefragt ist, sondern naturgemäß die innerartliche Gemeinschaft: in erster Lnie die Mutter und die Geschwister; der Vater (sofern logiermäßig vorhanden); aber auch Onkel und Tanten und sonstige Anverwandte. Auch unfreundliche Zeitgenossen (wie anderer Spezies = Hund, Kind, Papagei..) tragen zum Lernprozess bei - das kennen wir ja von unseren eigenen "Ablegern". Die Welt ist nicht nur rosig; es gibt auch haufenweise Finsterlinge, also lerne gefälligst, sie einzuschätzen, richtig zu behandeln und damit umzugehen ("warte, bis du in die Schule kommst" oder "warte, bis du dir dein Geld selbst verdienen musst" und ähnlich Aufmunterndes mehr)

Wie lange braucht ein Menschenkind, bloß um erst mal sitzen zu können? Stehen, in der richtigen Abfolge ein Bein vors andere zu setzen, mit den Zähnchen nicht die Mutterbrust, sondern eine Banane zu zermatschen, die Finger um einen Gegenstand zu schließen, damit er nicht gleich wieder runterfällt und und und ....herrjeh, das ist ARBEIT! Ein langsamer, mühseliger Lernprozess, gestützt auf Instinkt (den haben kleine Menschenkinder auch) und auf das Beobachten und Kopieren von Vorbildern. Und auf Training, Trianing, Trianing.

Tierkindern geht es nicht anders, wieso gestehen wir ihnen die dafür nötige Zeit nicht zu? Wenn wir dem Menschenkind statt der Banane Gulasch einflößen, werden wirs ungehendst genauso zu büßen haben wie bei einem Kätzcnen, dessen Verdauung auf Dosenfutter noch nicht einestellt ist. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Kätzchen keine Pampers tragen und das Unglück durchaus Ihr Kopfkissen zieren kann! Im Spiel wiederum liegt die Grundlage für das Kennenlernen und Erproben der eigenen Fähigkeiten und Kräfte und es ist Vorbereitung für die Jagd - die eine Katze auch dann pflegen muss, wenn sie nie mit einer lebenden Beute in Berührung kommen wird. Es hält die Intelligenz und den Verstand wach, ein Mangel lässt sie verdummen wie ein Menschenkind, das niemals ein Buch gelesen oder eine Schule von innen gesehen hat.

Bis zum 45. Tag nach der Geburt ist die Thermoregulation der Kitten noch nicht voll entwickelt und vor allem in den ersten beiden Lebenswochen so gering, dass die Mutter als Wärmequelle unverzichtbar ist. Durch den evtl. fehlenden Kontakt mit dem Muttertier oder anderen Artgenossen würden Fehlprägungen entstehen, die die Entwicklung des normalen Verhaltens blockieren. Der Fachmann spricht vom sogenannten Deprivations = Beraubung - oder Kaspar-Hauser-Syndrom, Verhaltensstörungen, die aufgrund von Isolation das Tier daran hindern, die für seine normale Entwicklung notwendigen Erfahrungen zu sammeln. Damit ist und bleibt das Lernvermögen prägnant beeinträchtig. Außerdem werden durch das Ausbleiben bestimmter artspezifischer sozialer Reize (die der Mensch also keinesfalls ersetzen kann) Stereotypen (zwanghafte Bewegungen), atypisches Sexualverhalten (vorzugsweise auf bestimmte menschliche Bezugspersonen gerichtet), Phobien und eine extreme Steigerung des Aggressionsverhaltens gefördert - bis hin zu (wieder mal) lebenslanger Unsauberkeit.
Dieser kritische, zeitlich begrenzte Lebensabschnitt umfasst mehrere Entwicklungssstufen, die sowohl fließend als auch ineinander übergreifend ablaufen: Die Artprägung sowie Beute-, Nahrungs- und Ortsprägung, beginnend etwa am 21. Lebenstag und abgeschlossen je nach Angebot und Vorbildwirkung zwischen der 8. bis 20. Lebenswoche - weshalb, und hier kommen die "offiziellen" Abgabetermine ins Spiel - ein Mittelwert von zwölf bis 16 Wochen gewählt wurde.
Tierkinder müssen im Grunde die doppelte Lernleistung erbringen wie Menschenkinder, denn sie sind zudem mit artfremden Mitbewohnern gesegnet, die sich einer höchst unverständlichen Sprache bedienen und auch sonst ausgesprochen seltsame Wesen sind. Eine Katze, die Streicheln genießen kann, musste erst lernen, wozu eine Menschhand nütze ist ...nichts ist selbstverständlich, denn der Instinkt allein reicht nicht aus, um mit einem Artfremden eine geglückte Symbiose einzugehen. Das funktioniert nicht von heut auf morgen, weshalb ein Züchter seine Kätzchen nicht unter 12/16 Wochen abgeben sollte!! Jede weitere Woche bedeutet einen unschätzbaren Gewinn!
Andersrum ist die häufige Folge, dass der verständnislose Zweibeiner sich in Klischees flüchtet und vom "Geheimnis Katze" faselt - davon lebt eine ganze Industrie, und wahrhaftig nicht schlecht. Mieze ist nur am Rande Nutznießer; wenn überhaupt. Höchstens wenn es um die niedrigen Gelüste geht, wie zwischen hundert verschiedenen Häppchen, Stückchen, Bissen in Gelee, feiner Soße, Yoghurt, Gemüse und was es sonst noch so alles gibt wählen zu können. Was sie mit Sicherheit nicht vergrämt, aber sie wäre zweifellos glücklicher, wenn der artig Dienende wüsste, was sie ihm eigentlich sagen möchte ...nämlich, dass sie mit Leibeigenen nicht wirklich etwas am Hut hat, sondern lieber verstanden und gefordert werden möchte.
Konnte die kleine Mieze das innerhalb ihrer Familie lernen, weil ihr Züchter sie erst nach der 12./16. Woche abgegeben hat, wird sie es auch leichter vermitteln können und der nette neue Mensch muss nicht zum Tropf verkommen. Und hat seinerseits auch deutlich mehr vom Zusammenleben - ein stetes Geben und Nehmen. Wie überall auf der Welt. Wie auch wir es gelernt haben, das ist doch nicht neu?

Also: ein guter Züchter wird sein Kitten nicht aus panischer Angst vor fiesen Krankheiten oder was auch immer in einem Zimmer von der Außenwelt abschotten. Von der Geburt an ist beinahe jede Woche ein neuer Lebensabschnitt und mit neuen, ungemein wichtigen Erfahrungen verbunden. Ein guter Züchter gibt den Kleinen die Chance auf ein schönes Leben, denn sie haben es verdient, genauso wie er sich damit den Ruf eines respektablen Züchters verdienen kann. Und wenn er von einem uneinsichtigen Interessenten heimgesucht werden sollte, sollte höflich-bedauernd der Kopf geschüttelt werden oder man schickt ihn ins Pfefferland, je nach Befindlichkeit!